Spareair vs. Ponyflasche

4-Liter-Ponyflasche an einer 12-Liter-Hauptflasche befestigt

4-Liter-Ponyflasche an einer 12-Liter-Hauptflasche befestigt

Zu den Vor- und Nachteilen von Spareair habe ich mich bereits in einem vergangenen Beitrag geäußert. Heute möchte ich nun einmal eine Alternative zur Spareair, die Ponyflasche, mit Spareair vergleichen.

Zunächst berechnen wir mal den theoretischen Luftvorrat, den eine Spareair uns bietet, wenn wir sie nutzen müssen. Ich gehe dabei davon aus, dass die Flasche komplett leer geatmet wird. Denn erstens kann ich bei einer Spareair den Restdruck gar nicht vernünftig ablesen und zweitens geht es um Notsituationen, da kann eine Flasche schonmal leer geatmet werden, wenn man dann zumindest überlebt.

Die Zeiten auf unterschiedlichen Tiefen, die wir mit einer Spareair atmen können habe ich in folgender Tabelle ausgerechnet. Zur Berechnung habe ich dabei immer den maximalen Druck als Grundlage genutzt, um konservativ und sicher zu rechnen. Geht man davon aus, dass der Druck sich beim Aufstieg reduziert und damit weniger Luft verbraucht wird, ergeben sich natürlich etwas längere Zeiten. Da es in diesem Beitrag lediglich um den Vergleich von Ponyflasche zu Spareair geht, habe ich darauf verzichtet. In einem der folgenden Beiträge werde ich darauf näher eingehen.

Luftverbrauch / Tiefe 10 Meter 20 Meter 30 Meter 40 Meter
15 l/min 2:40 min 1:46 min 1:20 min 1:04 min
25 l/min 1:36 min 1:04 min 0:48 min 0:38 min
35 l/min 1:08 min 0:45 min 0:34 min 0:27 min


Bei einer Ponyflasche handelt es sich um eine kleine Flasche, die auch auf dem Rücken neben der eigentlichen Hauptflasche getragen wird. Die Größe kann man selbst bestimmen, daher zeige ich im folgenden die Luftzeiten unterschiedlicher Ponygrößen – wobei ich der Einfachheit halber von jeweils 200 bar Fülldruck ausgehe. In den Tabellen habe ich jeweils grün die Zeiten markiert, die ein Austauchen unter Berücksichtigung der maximalen Aufstiegsgeschwindigkeit von 10 m/min ermöglichen:

2 Liter:

Luftverbrauch / Tiefe 10 Meter 20 Meter 30 Meter 40 Meter
15 l/min 13:20 min 8:53 min 6:40 min 5:20 min
25 l/min 8:00 min 5:20 min 4:00 min 3:12 min
35 l/min 5:42 min 3:48 min 2:51 min 1:54 min

3 Liter:

Luftverbrauch / Tiefe 10 Meter 20 Meter 30 Meter 40 Meter
15 l/min 20:00 min 13:20 min 10:00 min 8:00 min
25 l/min 12:00 min 8:00 min 6:00 min 4:48 min
35 l/min 8:34 min 5:42 min 4:17 min 3:25 min

4 Liter:

Luftverbrauch / Tiefe 10 Meter 20 Meter 30 Meter 40 Meter
15 l/min 26:40 min  17:46 min  13:20 min  10:40 min
25 l/min  16:00 min  10:40 min  8:00 min  6:24 min
35 l/min  11:24 min  7:36 min  5:42 min  3:48 min

5 Liter:

Luftverbrauch / Tiefe 10 Meter 20 Meter 30 Meter 40 Meter
15 l/min 33:20 min 22:13 min 16:40 min 13:20 min
25 l/min 24:00 min 16:00 min 12:00 min 8:00 min
35 l/min 14:17 min 9:31 min 7:08 min 5:42 min

6 Liter (jetzt sind wir schon so langsam nicht mehr beim Pony, sondern beim Pferd):

Luftverbrauch / Tiefe 10 Meter 20 Meter 30 Meter 40 Meter
15 l/min 40:00 min 26:40 min 20:00 min 16:00 min
25 l/min 24:00 min 16:00 min 12:00 min 9:36 min
35 l/min 17:08 min 11:24 min 8:34 min 6:50 min


Anhand der Rechnungen sieht man sehr schön, dass bereits eine kleine Ponyflasche gegenüber einer Spareair deutlich im Vorteil ist. Damit sind bereits mit einer 3-Liter-Ponyflasche fast alle Notaufstiege aus bis zu 40 Metern Tiefe gewährleistet. Was jetzt noch hinzukommt ist der obligatorische Sicherheitsstop auf 3 Metern Tiefe. Ebenfalls vernachlässigt wurde in den Berechnungen, dass etwaige Dekostops durchgeführt werden müssen. Hier sollte sich jeder selbst überlegen, ob er generell in der Nullzeit taucht oder die Ponyflasche etwas großzügiger plant.

Darüberhinaus muss jeder sich selbst die Frage stellen mit welchen Luftverbrauch er für den Notfall plant: 15l/min sind sicherlich ein optimistischer Wert unter keinerlei Stress und Belastung. 25l/min stellen eher die Regel dar, wenn der Taucher unter Belastung steht. Die 35l/min sind dann schon sehr sicher gerechnet, wenn es zu Stress kommt. Allerdings kann man ggf. einen geringeren Luftverbrauch für sich planen, wenn man weiß, dass man mit der Ponyflasche sicher die Oberfläche erreicht, ist man sicherlich ruhiger in einer Notsituation als wenn nur eine Spareair am Jacket baumelt.

Aus den oben genannten Gründen würde ich nie eine Spareair für einen Notaufstieg einplanen, sondern immer zur Ponyflasche greifen, wenn eine Sicherheit nicht durch bereits anders bemessene redundante Systeme gewährleistet ist.

In die eigene Tauchgangsplanung sollte man trotz Ponyflasche auch immer einfließen lassen, dass der Tauchpartner ein Problem haben könnte. Ein mögliches Szenario sähe dann vielleicht wie folgt aus:

Der Tauchpartner hat keine Luft mehr und muss aus meiner Flasche mitatmen – dies womöglich auf einer Tiefe von 40 Metern. Nun reicht mein eigener geplanter Luftvorrat nicht mehr für einen Aufstieg für uns beide. Ich könnte meinen Tauchpartner also aus meiner Ponyflasche atmen lassen – der Luftvorrat ist schließlich für einen sicheren Aufstieg bemessen. Ich selbst würde weiter aus meiner Hauptluftquelle atmen – vermutlich mit einem deutlich höheren Luftverbrauch in dieser Stresssituation. Hier sieht man wie wichtig die Reserve ist! Mein zuvor noch vorhandener Luftvorrat sollte mich ja immer sicher an die Oberfläche bringen können. Meinen vermehrten Luftverbrauch unter Stress, muss ich dann aus meiner Reserve decken können. Auch hier ist es wichtig, die Reserve nicht stumpf bei 50 bar anzusetzen, sondern sie je nach Konfiguration und Tauchprofil entsprechend einzuplanen. Doch dazu in einem späteren Beitrag mehr. Gute Hinweise zur Planung der Reserve sowohl für Solo- als auch für Partnertaucher finden sich in dem Buch “Höhlentauchen: Solo – Sachkundig – Sicher“.

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