Fitness für Taucher – Es geht los

Wenn man sich einige Taucher so anschaut, könnte man meinen, Tauchen wäre kein Sport. Tatsächlich scheint es im “Tauchsport” so zu sein, dass man dort mehr übergewichtige Taucher findet als in anderen Sportarten. Aus meiner Sicht hat das zwei Gründe:

1. Tauchen ist natürlich um einiges cooler als Laufen zu gehen. Man kann die Unterwasserwelt erforschen und über Wasser von den Erlebnissen berichten. Beim Laufen ist die Überwasserwelt allein schon deshalb nicht so spannend, weil man sie jeden Tag sieht und sie somit natürlich schneller ihren Reiz verliert. Man sie auch ohne sportliche Betätigung, allein mit Spazieren gehen, mit dem Fahrrad oder auch im Auto betrachten.

2. Zum Tauchen muss man scheinbar nicht so fit sein wie – um bei obigem Beispiel zu bleiben – beim Laufen. Läuft man durch den Wald, merkt man schnell, dass man einer Belastung ausgesetzt ist. Ebenso limitieren körperliche Grenzen sehr schnell das Tempo und die Strecke. Anders ist es beim Tauchen: Die körperliche Belastung wird in der Regel nicht so unmittelbar bemerkt, zumindest nicht, wenn man sich unter Wasser sanft dahintreiben lässt. Ergänzend muss ich hier natürlich noch darauf hinweisen, dass ein paar Kilo zuviel auf den Rippen im Wasser tatsächlich nicht so einen großen Ausschlag geben wir an Land. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dass ein paar Kilos beim Laufen deutlich mehr “ins Gewicht fallen” als beim Schwimmen. Ich kenne einiger Schwimmer, die deutlich mehr wiegen als ich, jedoch schwimmerisch deutlich mehr drauf haben.

Auch wenn Tauchen in der heutigen Zeit ein Sport für Jedermann zu sein scheint, sollte die notwendige Fitness nicht vernachlässigt werden. Natürlich ist es reizvoll seinen Tauchschein schnell in drei Tagen in der Karibik bei bester Sicht und warmen Wasser “abzusitzen”, um dann die Unterwasserwelt zu erobern. Aber was passiert, wenn man einmal nicht in eine “Standard-Schönwetter-Situation” gerät. Was ist wenn man plötzlich in eine Strömung gerät, die Sicht in einem heimischen Gewässer deutlich überschätzt wird oder die Technik versagt? Klar, ich höre schon die ersten sagen: “Ich tauche nur im Urlaub bei guter Sicht”, “ich tauche nicht in Strömungen”, “meine Technik ist gut gewartet”, “in der Karibik vereisen Lungenautomaten nicht”. Sicherlich kann man die Umgebung, in der man taucht zu einem gewissen Maß beeinflussen – und auch die Technik. Aber 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Und dann ist es immer gut, wenn man trainiert und auf solche Situationen vorbereitet ist und man sich eben nicht schon beim normalen Sonntags-Nachmittags-Tauchgang an seinen körperlichen Grenzen bewegt.

Die meisten Tauchunfälle geschehen vermutlich nicht aufgrund technischer Defekte. Jetzt werden einige einwerfen “ja, aber man liest doch immer von Vereisungen im Lungenautomaten” oder “wenn die Flasche leer ist, ist das das ein technischer Defekt” oder “wenn mein Fini falsche Werte angezeigt hat, hilft doch das beste Training nichts”.

Und genau das halte ich für falsch! Training besteht aus meiner Sicht aus zwei Bereichen:

1. Trainieren der Handlungsabläufe für Notfälle. Sicheres Beherrschen der Ausrüstung und blindes Bedienen.

2. Körperliche Fitness, um im Notfall Reserven zu haben.

Mit dem zweiten Punkt möchte ich mich in dieser hiermit beginnenden Serie “Fitness für Taucher” in den nächsten Monaten hier im Blog näher beschäftigen. Denn ich bin sehr wohl der Meinung, dass körperliche Fitness beim Tauchen eine große Rolle spielt und vor allem im Notfall einen Unterschied machen kann. Schauen wir uns einige der obigen Aussagen unter diesem Gesichtspunkt nochmal an:

  • “Ich tauche nur im Urlaub bei guter Sicht.” Kann man natürlich machen, dagegen ist natürlich auch nichts einzuwenden. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Sicht auch im Urlaub mal schlecht sein kann. Vielleicht kommt der ein oder andere Taucher aber auch nach dem Urlaubstauchen auf den Geschmack und springt mal in einen heimischen See. Hier ist die Sicht häufig generell schlecht bis nicht vorhanden. Aber auch in den paar Seen in denen die Sicht hier zu lande gut ist, kann ein unvorsichtiger Flossenschlag die Situation schnell ändern. Bei plötzlich auftretender schlechter Sicht, wird bei den meisten Tauchern, die das nicht gewöhnt sind, schnell die Atmung ansteigen und man wird versuchen aus der Situation herauszukommen. Das führt zwangsläufig zu einer höheren Belastung, der man natürlich bei entsprechender körperlicher Fitness ganz anders begegnen kann.
  • “Ich tauche nicht in Strömungen!” Ist das immer zu vermeiden? Wie anstrengend das Tauchen gegen der Strömung zurück zum Boot oder Ufer in voller Ausrüstung sein kann, wird wohl jedem klar sein, der das schon einmal durchgeführt hat. Ebenso wird demjenigen klar sein wie wichtig Fitness in diesem Bereich ist.
  • “Meine Technik ist gut gewartet” Auch die beste Technik wird irgendwann versagen – ich persönlich setze dann gern auf körperliche Reserven.
  • “Aber man liest doch immer von Vereisungen im Lungenautomaten” Sicher! Aber ich bin der festen Überzeugung, dass entsprechendes Training und eine gewissen Grundfitness stark dabei helfen eine solche Situation sicher zu meistern.
  • “Wenn die Flasche leer ist, ist das das ein technischer Defekt”. Das kann natürlich auf einen technischen Defekt zurückzuführen sein, in der Regel ist es eher auf menschlischem Versagen begründet, wenn das Fini nicht regelmäßig mit Verstand kontrolliert wird. Welche Ursache auch immer dafür verantwortlich ist, aus meiner Sicht macht die körperliche Fitness hier einen entscheidenden Unterschied und zwar den entscheidenden Atemzug: Dass ich keine Luft mehr bekomme, merke ich natürlich nicht nachdem ich gerade tief eingeatmet habe, sondern erst, wenn ich ausgeatmet habe und wieder einatmen möchte. Wenn ich dann keine Luft mehr bekomme, macht es natürlich einen Unterschied, ob ich Reserven habe oder nicht. Wie sich jeder vorstellen kann, fallen die vorhandenen Luftreserven bei einem Couch-Potatoe anders aus als bei einem Marathonläufer. Gerade dieser Unterschied wird dann vermutlich darüber entscheiden, ob ich in dieser Situation meinen Buddy noch erreiche und ob ich dabei ruhig bleiben kann, da ich mir selbst eine Strecke von einigen Metern ohne Luft zutraue oder nicht. Und damit entscheidet der Fitnesszustand über Leben und Tod.

Die meisten Ursachen für Tauchunfälle liegen aus meiner Sicht natürlich zumindest teilweise im Material, könnten aber mit entsprechender Vorbereitung völlig anders ausgehen.

Aber man sollte nicht immer vom schlimmsten ausgehen! Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Tauchgänge viel entspannter, schöner und gelassener verlaufen, wenn man fit ist und einem das Schleppen der Flaschen zum Wasser vorher nicht belastet und auch die Anstrengung im Wasser nicht weiter auffällt.

Ich möchte also mit der heute beginnenden Serie allen Tauchern, die nicht nur einmal im Jahr im Urlaub tauchen und ansonsten keinen Sport machen, um sich dann zu wundern, dass Tauchen anstrengend ist, einen Denkanstoß für die eigene Fitness geben.

 

In den kommenden Monaten werde ich dazu hier im Blog immer wieder einen Beitrag veröffentlichen, der einige Übungen, die ich für Taucher als sinnvoll erachte, vorstellen wird. Los geht’s…

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